A139 Frühjahr 2025 : Internationale Kunst

39 Internationale Kunst 358 BECKMANN, MAX (LEIPZIG 1884 – 1950 NEW YORK) «VOR DEM MASKENBALL». Kaltnadelradierung, handsig. u.r., num. III/XX, 20 x 32,9 cm (PL) CHF 7500.– / EUR 8200.– Provenienz: Galerie Iris Wazzau, Davos, 1998: Privatbesitz, Schweiz. Literatur: James Hofmaier, Max Beckmann. Catalogue raisonné of his Prints, Bern 1990, S. 662, Nr. 264/B/b. Datiert 1923. Max Beckmann nahm als 16-Jähriger an der Grossherzoglichen Kunstschule in Weimar ein Studium der Malerei auf, das er mit mehreren Aus- zeichnungen abschloss. Nach Aufenthalten in Paris, Genf und Florenz zog er 1907 nach Berlin und schloss sich der Sezession an. Im Ersten Weltkrieg als freiwilliger Sanitäter an der Front, erschütterten ihn die Kriegsereignisse derart, dass er einen psychischen Zusammenbruch erlitt und vorzeitig entlassen wurde. Diese Erfahrungen prägten seine künstlerische Arbeit in der Folge nachhaltig und führten ihn zu einem expressionisti- schen, der Neuen Sachlichkeit angenäherten Stil. Die bildnerischen Mittel traten fortan immer mehr in den Dienst der inhaltlichen Aussage. Dem neuen Raumkonzept der Moderne, insbesondere Picassos Kubismus, setzte er eine eigenwillige Räumlichkeit entgegen. Die zeitkritische und ironisierende Haltung und eine immer komplexere, mit subjektiver Symbolsprache aufgeladene Malerei rückten dabei ins Zentrum von Beckmanns Schaffen. Zentrales Thema war der einsame, bedrohte Mensch in einer apokalyptischen Welt. Besondere Bedeutung erlangte der Deutsche auch als prägnanter Zeichner, Porträtist und Illustrator. 1915-1933 wirkte er als Dozent an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Frankfurt am Main, der heutigen Städelschule; dann wurde sein kometenhafter Aufstieg durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten jäh unterbrochen. Als «entartet» diffamiert, emigrierte er 1937 zunächst nach Holland und 1948 in die Vereinigten Staaten, wo er an der Brooklyn Museum Art School in New York dozierte und 1950 den Ehrendoktor der Washington University erhielt. Sein Spätwerk, das insbesondere eine Gruppe grossformatiger, symbolträchtiger mythologischer Triptychen umfasst, ist von den Erfahrungen der Exiljahre geprägt.

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