A141 Frühling 2026 : Internationale Kunst
95 Internationale Kunst 436 HAINS, RAYMOND (PARIS 1926 – 2005 SAINT-BRIEUC) SANS TITRE (33A BIENNALE INTERNAZIONALE D‘ARTE VENEZIA). Décollage: Plakatabriss auf Lwd., sig. u. dat. 1966 u.r., 105 x 81 cm CHF 14000.–* / EUR 16000.–* Provenienz: Galerie George Philippe & Nathalie Vallois, Paris (2003, verso Etikett); europäische Privatsammlung. Ausstellungen: Nouveau Réalisme, Kunsthalle Krems, Krems-Stein, 21. November 2010 – 20. Februar 2011; François Dufrêne – Raymond Hains. Une amitié entre l‘art et les mots/Freundschaft zwischen Kunst und Wort, Stiftung Ahlers Pro Arte/Kestner Pro Arte, Hannover, 16. April – 3. Ok- tober 2011, sowie Passage de Retz, Paris, 5. Dezember 2011 – 15. Januar 2012 (mit Abbildung im Ausstellungskatalog S. 39); Flashes of the Future – Die Kunst der 68er oder Die Macht der Ohnmächtigen, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, 20. April – 19. August 2018 (mit Abbildung im Ausstellungskatalog S. 351). Raymond Hains gehörte zu den führenden Künstlern der französischen Nachkriegsmoderne. Seine Karriere startete mit dem Besuch der Kunst- hochschule in Rennes, wo er auch Jacques de la Villeglé begegnete. Bald schon zog er nach Paris, arbeitete als Fotograf und Werbeillustrator und beeindruckte die Kunstszene der französischen Metropole mit experimentierfreudigen Fotografien. Zusammen mit seinem Freund Villeglé erfand der Bretone das Prinzip der Décollage, indem die beiden Werbeplakate im öffentlichen Raum abrissen, übermalten oder neu zusammenklebten. Als Werbeillustrator übte Hains auf diese Weise Sozialkritik am eigenen Medium. 1960 engagierte er sich im Verbund mit Yves Klein, Jean Tinguely, Daniel Spoerri und weiteren Künstlern als Mitbegründer des Nouveau Réalisme, der als europäisches Gegenstück zur amerikanischen Pop Art verstanden werden kann. Erklärtes Ziel war es, mittels experimenteller Techniken und vorgefundener Materialien die Alltagsrealität abzubilden und sie in einen neuen gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Raymond Hains, dessen künstlerische Produktion zunehmend an Popularität gewann, wurde sowohl an die Biennalen von Venedig und Paris sowie wiederholt an die documenta in Kassel eingeladen. Der bis ans Lebensende an neuen Techniken interessierte Künstler setzte sich ab 1997 als einer der ersten mit Digitalkunst auseinander. Zwischen 1964 und 1977 bereiste Hains verschiedene italienische Städte. Er war gerade in Venedig, als die umstrittene Entscheidung getroffen wurde, den Preis der Biennale 1964 Robert Rauschenberg zu verleihen. Die Krönung des jungen amerikanischen Künstlers, der mit der Pop Art in Verbindung gebracht wurde, erwies sich als brisant. Hains hingegen teilte die Abneigung gegen die amerikanische Kunst nicht. Er sammelte Plakate der Biennale und stellte sie in seiner ihm eigenen, zerrissenen Ästhetik dar. Der Reiz des angebotenen Werkes liegt darin, dass es den urbanen Stil der Pop Art mit dem manierierten, expressiven Informel verbindet.
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