Stehender Edelmann.
Bronze, dunkel patiniert,
a. Plinthe sig. sowie seitl. Giesser-Stpl. "P. Bingen Fondeur",
H: 33,5 cm
Jean-Joseph Marie Carriès stammte aus einfachen Verhältnissen; sein Vater war Schuhmacher in Lyon. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs er in einem katholischen Waisenhaus auf. Schon in jungen Jahren für die Kunst begeistert, vor allem für die Bildhauerei, ging er ab 1868 beim lokalen Bildhauer Pierre Vermare in die Lehre. Auf dessen Empfehlung hin reiste er 1874 mit 19 Jahren nach Paris und nahm dort ein Studium an der École des Beaux-Arts unter Augustin-Alexandre Dumont auf. Bereits im folgenden Jahr stellte er erstmalig im Salon de Paris aus, und seine Arbeiten stiessen auf grosse Anerkennung. Unterbrochen von Militärdiensteinsätzen 1876 und 1878 in Lyon, beteiligte er sich daraufhin jährlich am Pariser Salon und eröffnete sein eigenes Atelier in Paris. Die Exotik japanischer Werke, die er auf der Weltausstellung 1878 in Paris entdeckte, inspirierte ihn, auch vielfarbige Horror-Masken anzufertigen. Erfolge erzielte er weiterhin mit seinen herausragenden Skulpturen. Die Zusammenarbeit mit dem Giesser Pierre Bingen und eine Einführung in das von ihm angewendete Wachsausschmelzverfahren ermöglichten es Carriès ab 1883, die Patina seiner Skulpturen selber auszuführen und ihnen damit einen eigenen, unverwechselbaren Stil zu verleihen. Mit diesen Werken konnte er sich in den nächsten Jahren an den Ausstellungen im Champ-de-Mars und im Cercle d'Art beteiligen. 1892 verlieh ihm die französische Regierung die Auszeichnung Ritter der Légion d'honneur. Carriès verstarb 1894 39-jährig an den Folgen einer Brustfellentzündung. Mit seinen Skulpturen und Keramiken zählt er zu den Mitbegründern des Jugendstils.
