Fantasia.
Gouache,
sig. u.l.,
48,5x63 cm (LM)
Provenienz: Durch eine Galerie in Marokko an die Familie des heutigen Besitzers (Privatsammlung, Schweiz).
Wir danken The El Glaoui Estate für die Email-Bestätigung der Autorschaft anhand digitaler Abbildungen.
Als ältester Sohn eines Berberstammführers und des letzten Paschas von Marrakesch, Hadj Thami El Mezouari, war Hassan El Glaoui alles andere als für eine künstlerische Laufbahn bestimmt. Aus diesem Grund malte er lange Zeit gegen den Widerstand seines Vaters im Geheimen. 1943 erkannte der englische Premierminister Winston Churchill, der selbst zeitlebens zu malen und zu aquarellieren pflegte, anlässlich eines Besuches El Glaouis' Talent und setzte sich in der Folge für dessen künstlerische Ausbildung ein. El Glaoui gelangte dadurch nach Paris, wo er ab 1952 Kunst an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris studierte. Zurück in Marokko 1965, setzte er sich in seinen Gemälden und Gouachen vor allem mit Reitersujets auseinander und widmete sich damit einer der wichtigen kulturellen Traditionen seiner Heimat.
Die "Fantasia" oder "Tbourida" ist der traditionelle Pferdesport, der vor allem in Marokko, unter anderem anlässlich von Hochzeiten, praktiziert wird. In Anlehnung an Angriffsformationen der Berber galoppiert eine Gruppe von Reitern in traditionellen Gewändern auf reinrassigen Berberpferden synchron in Formation über eine bestimmte Distanz. Die Reiter halten dabei meist eine Waffe in die Luft, aus welcher ein Schuss abgegeben wird. Das Brauchtum symbolisiert dabei die starke Verbundenheit zwischen Mann und Pferd. In der Kunst findet sich das Motiv oftmals im Rahmen des Orientalismus, beispielsweise bei Eugène Delacroix, wieder. El Glaoui setzt das Thema im vorliegenden Werk mittels schnell gesetzter Pinselstriche und leuchtender Farben um.
