"The Octopus, New York", 1912.
Silbergelatineabzug,
28,6x21,2 cm (BG),
30,2x23 cm (Unterlagekarton)
Auf Unterlagekarton aufgezogen.
Neuabzug 1950er Jahre.
Ausstellung: Photosammlung Kunsthaus Zürich. The Marc Rich Collection, Kunsthaus Zürich, 10. Juni - 20. August 1989/Galleria Gottardo, Lugano, 9. März - 29. Mai 1993, je Nr. 23 (mit ganzseitiger Abbildung im Ausstellungskatalog S. 47); Im Kunstlicht, Kunsthaus Zürich, 23.6. – 10.11.1997; Kunsthalle Krems, Österreich, 4.3. – 1.5.1997.
Alvin Langdon Coburn gilt als bedeutender Vertreter des Piktorialismus und als Pionier der abstrakten Fotografie. Bereits als Achtjähriger fertigte er erste Aufnahmen an. 1901 liess er sich in New York nieder, wo er Kontakte zu Gertrude Käsebier und Alfred Stieglitz pflegte, dessen New Yorker Photo-Secession er im folgenden Jahr als Mitglied beitrat. Zunächst als Porträtfotograf tätig, schuf der Amerikaner Aufnahmen von Personen des öffentlichen Lebens wie George Bernard Shaw, Mark Twain und Gertrude Stein, bevor sein Interesse der Städte- und Landschaftsfotografie galt. Coburn befasste sich vor allem mit dem visuellen Potenzial neuer Raumperspektiven von Städten. Von erhöhten Aussichtspunkten aus schuf er ungewöhnliche Ansichten mit komplexen, aus Licht, Linien und Flächen gebildeten Strukturen. Ab Ende der 1910er Jahre beschäftigte er sich mit abstrakten, kaleidoskopartigen Fotografien, die er in Anlehnung an den englischen Vortizismus "Vortographien" nannte. Zu Beginn der 1920er Jahre wandte er sich von der professionellen Fotografie ab.
"The Octopus", Alvin Langdon Coburns bekannteste Fotografie, entstand 1912 im Rahmen der Serie "New York von seinen Türmen aus gesehen". Sie zeigt den Blick aus der damals noch ungewohnten Vogelperspektive auf den Madison Square von der Spitze des nahe gelegenen Metropolitan Tower aus, dessen Schatten sich über die linke Bildhälfte legt. Durch die leichte Verschiebung des Platzzentrums an den rechten unteren Bildrand entsteht eine dynamische Bildkomposition aus einzelnen Flächen und Linien. Eine Fotografie, die sich mehr durch deren Komposition als durch die Abbildung der Realität definierte, war damals revolutionär. Das Werk verdankt seinen Titel dem Umstand, dass die radial vom Zentrum wegführenden Strassen den Fotografen an die Arme eines Tintenfisches erinnerten. Durch die Verwendung einer aussergewöhnlichen Perspektive nimmt Coburns Werk avantgardistische Positionen in der Fotografie der 1920er Jahre wie jene von Laszlo Moholy-Nagy oder Alexander Rodtschenko vorweg.
