"Tête de jeune fille à la frange".
Bronze, dunkel patiniert, a. Hals sig. sowie Giesser-Stpl. "C. Valsuani cire perdue" u. num. III/IV,
H: 51,3 cm (ohne Sockel)
Auf schwarzem Marmorsockel.
Posthumer Guss nach einem Entwurf aus Pariser Kalkstein aus dem Jahr 1912.
Provenienz: (Wohl) Karl Perls Galleries, New York; private Skulpturensammlung Rüthimann, Basel; Privatsammlung Surer, Bern, 1989; Ernesto Schmidt, Basel, 2001; Privatbesitz, Schweiz.
Literatur: Vgl. Joseph Lanthemann, Amedeo Modigliani, 1884-1920. Sa vie, son oeuvre complet, son art, Barcelona 1970, Nr. 633 (mit schwarzweisser Abbildung der Version in Stein auf S. 317).
Amedeo Modigliani gilt zwar als künstlerischer Einzelgänger, dennoch gehört er heute zu den populärsten und kunstmarkttechnisch zu den höchst bewerteten Künstlern der Moderne. Sein ausschweifendes Leben und sein früher Tod machten ihn zum Archetyp des Künstler-Bohémiens. Modigliani wuchs in bescheidenen Verhältnissen in einem aufgeklärten jüdischen Elternhaus in Livorno in der Toskana auf. In seiner Kindheit hatte er bereits mit schweren Erkrankungen zu kämpfen, so etwa mit Tuberkulose. Die gesundheitlichen Probleme begleiteten ihn ein Leben lang, ebenso die wirtschaftlichen. 1902-1905 studierte er in Venedig und Florenz, wo er sich intensiv mit der Kunst der Renaissance auseinandersetzte. An den dortigen Biennalen begegnete er erstmals dem Werk von Auguste Rodin und dem Symbolismus. 1906 liess er sich in Paris nieder und fand rasch Anschluss an den Künstlerkreis des Bateau-Lavoir um Pablo Picasso. An der Académie Colarossi widmete sich Modigliani dem Aktzeichnen, während er auf dem Montmartre wiederholt seinen Wohnort wechseln musste, weil er die Miete schuldig blieb. In diesen Jahren pflegte er eine enge Freundschaft mit dem deutschen Maler Ludwig Meidner und beteiligte sich trotz anhaltender gesundheitlicher Probleme und finanzieller Schwierigkeiten rege am ausschweifenden Leben des Pariser Künstlermilieus. Durch seinen Künstlerkollegen Henri Doucet machte er Bekanntschaft mit dem jungen Arzt Paul Alexandre, der ihn förderte und ihm Zugang zur Pariser Oberschicht verschaffte. Ab 1909 versuchte sich Modigliani unter dem Einfluss von Constantin Brancusi kurzzeitig als Bildhauer; einige seiner Skulpturen liessen sich in einem Künstleratelier ausstellen. 1914 kehrte er zur Malerei zurück, wohl nicht zuletzt, weil seine angeschlagene Gesundheit die körperlich anspruchsvolle Tätigkeit der Bildhauerei auf die Dauer nicht zuliess. Während dem Ersten Weltkrieg fand er in den Kunsthändlern Paul Guillaume und Leopold Zborowski neue Mäzene, dank derer er sich über Wasser halten konnte. Mit seinen Freunden Chaïm Soutine und Maurice Utrillo gab sich Modigliani der Drogen- und Alkoholsucht hin und tauschte seine damalige Geliebte Beatrice Hastings mit der erst 19-jährigen Jeanne Hébuterne. In seinen letzten Schaffensjahren arbeitete Modigliani hauptsächlich an Porträts und Akten. Dabei entzog er sich den gängigen Kunstströmungen seiner Zeit und pflegte seinen eigenen, unverwechselbaren Stil, der Einflüsse der Renaissance und der afrikanischen Kunst in sich vereint. Eine Ausstellung seiner Bilder in der Galerie Berthe Weill führte wegen der unverhohlenen Freizügigkeit zum Skandal.
