"Atelier".
Enkaustik auf Lwd., auf Holz,
verso sig., dat. 2001 u. betitelt,
100x81 cm, ungerahmt
Philippe Cognée wurde in Frankreich geboren, verbrachte seine Kindheit aber im westafrikanischen Benin. Mit 17 Jahren kehrte er zurück in sein Geburtsland, wo er 1982 ein Studium an der École des Beaux-Arts in Nantes abschloss. Noch im gleichen Jahr verwirklichte er seine erste Ausstellung. Cognées Frühwerk, das teils geprägt ist von Erinnerungen des Künstlers an die afrikanische Kindheit, setzt sich aus figürlichen Darstellungen, mythologischen Szenen und Holzskulpturen zusammen. In den 1990er Jahren entwickelte Cognée seinen ganz persönlichen unverwechselbaren Stil. Seine Werke entstehen stets in drei Schritten. Zunächst hält der Künstler das Motiv mittels Fotografie oder Film fest. Das auf diese Weise generierte Material wird anschliessend am Bildschirm dekonstruiert, neu montiert und schliesslich auf einen Bildträger projiziert. Für den eigentlichen Malakt bedient sich Cognée der Enkaustik, einer speziellen, alt überlieferten Maltechnik, bei der mit Bienenwachs vermischte Farbpigmente mittels Pinsel auf die Leinwand aufgetragen werden. Als Besonderheit legt der Franzose eine dünne Plastikfolie auf die Leinwand und bearbeitet das Bild abschliessend mit dem Bügeleisen, wodurch sich die Farbe verflüssigt und aufbricht. Die auf diese Weise neu gewonnene Struktur lässt das zerrüttete Bild wie unter einer Eisschicht erscheinen. Mit diesem Verfahren hält der Franzose vertraute und banale Sujets wie Alltagsobjekte, Architekturteile und Menschenmassen fest, die im Zuge der vorgenommenen Verfremdung über das Gewöhnliche hinauswachsen. Als Ausdruck von Cognées Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft gesellten sich in den 2000er Jahren Supermarktketten zum bestehenden Sujetrepertoire, und ab 2006 erweiterte der Künstler sein Oeuvre dank Google Street View um eine neu konstruierte Weltansicht mit Satelliten- und 360°-Bildern. Heute lebt und arbeitet Philippe Cognée in Vertou bei Nantes. 2012 veranstaltete das Musée de Grenoble eine grosse Retrospektive, die sich über 17 Räume des Museums erstreckte.
