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371

SCHWABE, CARLOS (EIGTL. SCHWABE, ÉMILE MARTIN CHARLES)

Altona 1866 - 1926 Avon

"Vierge aux lys".

Aquarell, Gouache und Bleistift auf Karton,
sig. u. dat. (18)96 u.r.,
ø 21,5 cm, rund

Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.

Ausstellung: Mythos und Geheimnis. Der Symbolismus und die Schweizer Künstler, Kunstmuseum Bern, 26. April - 18. August 2013, Nr. 216, S. 315 (mit Abbildung).

Literatur: Jean-David Jumeau-Lafond, Carlos Schwabe. Symboliste et visionnaire, Courbevoie, 1994, S. 103 (mit Abbildung).

Carlos Schwabes Familie zog 1870 von Hamburg nach Genf, wo der angehende Künstler 1882 die École des Arts Industriels besuchte. Unter Jean Mittey beschäftigte er sich hauptsächlich mit Zeichnungen und Pflanzenstudien und entwickelte bereits damals eine Leidenschaft für mystische Themen. Nach 1884 lebte er einige Jahre in Paris, fertigte für die Manufaktur Deck dekorative Malereien an und setzte sich mit dem Symbolismus auseinander. 1892 nahm er am Salon de la Rose-Croix teil und schuf Illustrationen für das Magazin Le Rêve. Beide Engagements brachten ihm breite Anerkennung. Es folgten Ausstellungen in Paris und München sowie 1894 der Umzug nach Barbizon. In den Jahren 1900-1905 wohnte er im Schloss Alizay, wo er zahlreiche Illustrationen schuf und in Kontakt mit einer Reihe angesehener Künstler kam. Aus finanziellen Gründen arbeitete Schwabe während dem Ersten Weltkrieg an patriotisch motivierten Kompositionen. Grosser Erfolg war ihm 1920 im Zuge einer Ausstellung in der Genfer Galerie Moos beschieden. Eine erste namhafte Retrospektive fand 1927 in der Galerie Georges Petit in Paris statt. Carlos Schwabe gilt als symbolistischer Maler, zählt gleichzeitig aber auch - nicht zuletzt wegen seiner floralen Ornamentik der 1890er Jahre - zu den Vorläufern des Jugendstiles.

Auch im vorliegenden Werk finden sich Blumen in jugendstilhafter Manier. In klassischen christlichen Darstellungen überreicht der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria bei der Verkündigung eine weisse Lilie. In unserem Fall kniet die Jungfrau jedoch allein in einem Feld voller meterhoher Lilien und betet. Der Erzengel Gabriel, von Carlos Schwabe bewusst nicht mit ins Bild genommen, strahlt sie als helles Licht an, während sie ihren Blick zu ihm erhebt. Diese radikale künstlerische Umdeutung löst Maria aus der Dualität mit dem Erzengel, stellt sie allein ins Zentrum und verleiht ihr auf diese Weise Selbstbestimmung.

 


Schätzung CHF 19'000
EUR 20'879
USD 23'750
Mein Gebot
CHF
i
Sicherheitsgebot

Dieses Lot wurde auf der Auktion A141 bei DOBIASCHOFSKY AUKTIONEN AG am 08.05.2026 versteigert.


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