"Bach-Fuge".
Öllasur und Collage auf Lwd.,
verso kyrillisch sig., dat. 1987 u. betitelt,
142x86 cm
Ausstellung: Ich lebe - ich sehe. Künstler der Achtziger Jahre in Moskau, Kunstmuseum Bern, 11. Juni - 14. August 1988 (mit Abbildung und Erwähnung im Ausstellungskatalog).
Dmitry Petrovich Plavinsky war ein prägender Vertreter der sowjetischen Nonkonformisten-Bewegung und der Moskauer Kunstszene nach der Stalin-Ära. Trotz Abschluss an einer renommierten Moskauer Kunstakademie erhielt er aufgrund seiner politischen Haltung während fast 20 Jahren keine Arbeitserlaubnis, weswegen er sich zeitweise in Zentralasien als Kirchenfreskant betätigte. Gleichzeitig blieb er aktiv in Moskau und kuratierte mehrere namhafte Untergrund-Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. In seiner Malerei setzte sich Plavinsky intensiv mit der Menschheitsgeschichte auseinander. Universale Symbole wie Fischschuppen und Schildkrötenpanzer nutzte er, um Äonen überdauernde Entwicklungen und Evolutionen zu visualisieren. 1992 verliess der Künstler das mittlerweile freie, aber wirtschaftlich noch immer abgehängte Russland und zog nach Manhattan, wo ihn die Wolkenkratzer und Leuchtreklamen sichtlich inspirierten. Plavinsky, der der US-Metropole bis zu seinem Tod verbunden blieb, kann als wichtiges Mitglied sowohl der Moskauer als auch der New Yorker Kunstszene gelesen werden.
In seinem Werk "Bach-Fuge" suchte Plavinsky nach einer visuellen Verbindung zwischen Musik und Malerei. Hierfür beklebte er seine Leinwand mit verschiedenen Notenblättern von Johann Sebastian Bach und bedeckte sie mit einer dichten Schicht Öllasur. Durch das Verlaufen derselben bildete sich im Zusammenspiel mit den Farben eine Art Landschaft über den Notenblättern. Dieses intermediale Schaffen ist typisch für den Künstler und zeugt von seinem Interesse am zeitlichen und geografischen Durchdringen unterschiedlicher Kulturprodukte.
