Kastanienbäume bei Horw.
Öl auf Lwd.,
sig. u.l.,
78x95 cm
Literatur: Jules Coulin, Der Landschaftsmaler Robert Zünd, in: Neujahrsblatt für 1910 der Zürcher Kunstgesellschaft, S. 19; Hermann Uhde-Bernays, Robert Zünd, Basel 1926 (mit Abb. Tafel 10); Hermann Uhde-Bernays, Robert Zünd, 2., verbesserte und vermehrte Auflage, Basel 1934 (mit Abb. Tafel 18); vgl. Franz Zelger, Stiftung Oskar Reinhart Winterthur, Schweizer Maler des 18. und 19. Jahrhunderts, Zürich 1977, S. 379ff., Nr. 184; Robert Zünd in seiner Zeit, Ausstellungskatalog, Kunstmuseum Luzern 1978, S. 132, Nr. 90, mit Farbabb. S. 206.
Robert Zünd besuchte in Luzern das Gymnasium und erwarb erste Kenntnisse im Zeichnen und Malen im Atelier von Jakob Schwegler. 1848 siedelte er nach Genf über und arbeitete zunächst bei François Diday, anschliessend bei Alexandre Calame. 1851 lernte er in München Rudolf Koller kennen, mit dem ihn fortan eine enge Freundschaft verband. 1852 reiste Zünd erstmals nach Paris, wo er sich vor allem für die Meister des 17. Jahrhunderts interessierte. Nach einer Reihe weiterer Parisaufenthalte sowie Reisen nach Dresden und München liess er sich 1863 bei Luzern nieder. Zünd nimmt eine Sonderstellung in der schweizerischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts ein, die auch in seinem introvertierten Naturell begründet sein mochte. Die Beeinflussung durch Zeitgenossen blieb gering, auch bildete er keine Schüler aus. Anders als Diday und Calame schuf Zünd keine Touristenstücke. Er malte bevorzugt Landschaften aus dem Mittelland und den Voralpen, namentlich aus der Umgebung von Luzern. Fasste er seine Motive eher zeichnerisch als malerisch auf, so verstand es zugleich meisterhaft, Licht und Atmosphäre des jeweiligen Ortes, der Jahres- und Tageszeit wiederzugeben. Wie kaum einem Anderen gelang es ihm, die Natur bis ins kleinste Detail wiederzugeben und sie zugleich idealistisch zu überhöhen. Gottfried Keller sprach in diesem Zusammenhang von "idealer Reallandschaft oder realer Ideallandschaft".
Das angebotene Gemälde ist in diesem Sinne typisch für die Landschaftsauffassung von Robert Zünd. Der Wanderer ist lediglich Staffage und wirkt neben den zwei Kastanienbäumen mit ineinander übergehenden Kronen winzig. Dadurch unterstreicht er das Erhabene und Überwältigende der Natur. Gleichzeitig ist die Landschaft realistisch und in einer an die Fotografie erinnernden Genauigkeit gegeben. Ebenso deutlich wird Zünds vergangenheitsorientierte Haltung, die für die damalige Schweizer Malerei nicht ungewöhnlich war: Es gibt in dem Gemälde keinerlei Spuren der modernen Zivilisation, ja nicht einmal ein Haus ist abgebildet.
| Estimation | CHF | 115'000 |
| EUR | 126'373 | |
| USD | 143'750 | |
| Adjugé | CHF | 100'000 |
En règle générale le prix de réserve est fixé entre 1/2 et 2/3 de l'estimation.
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