Die Gemeindeversammlung.
Tuschfederzeichnung, laviert und gehöht, über Bleistift,
sig. u.r.,
29x55 cm
Stellenweise minim stockfleckig.
Das angebotene Gemälde ist beim Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaften als eigenhändiges Werk von Albert Anker registriert (Archiv-Nr. 97′646).
Schon während seiner Schulzeit nahm Albert Anker privaten Zeichenunterricht und begann 1851 auf Drängen des Vaters hin ein Theologiestudium in Bern, das er jedoch bereits nach zwei Jahren wieder abbrach. Im Folgejahr zog er nach Paris, um sich zum Maler ausbilden zu lassen. Hier erhielt er Unterricht vom Schweizer Klassizisten Charles Gleyre, und 1855-1860 besuchte er Kurse an der Ecole Impériale et Spéciale des Beaux-Arts. Ab 1856 war er regelmässig in den Turnus-Ausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins vertreten, seit 1859 auch im Pariser Salon. Hier gewann er 1866 eine Goldmedaille. Im gleichen Jahr begann er, für die Fayencefabrik der Gebrüder Deck zu arbeiten. Die Sommermonate verbrachte er in Ins, die Wintermonate in Paris. In den 1880er Jahren unternahm er mehrere Italienreisen. Im Mai 1890 gab er seinen Pariser Wohnsitz auf und begann kurz darauf, im Auftrag des Neuenburger Verlegers Frédéric Zahn Illustrationen zu dessen Gotthelf-Ausgabe zu schaffen, eine Arbeit, die ihn jahrelang in Anspruch nehmen sollte. Im September 1901 erlitt er einen Schlaganfall, der seine rechte Hand weitgehend lähmte. Anker gilt als einer der bedeutendsten Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts.
Mit der Tuschfeder-Zeichnung "Die Gemeindeversammlung" wählte Albert Anker ein Sujet, das erstmals 1865 in seinem Werk auftaucht. Der Ausbau der Volksrechte war seit 1848 ein wichtiges Thema hinsichtlich der politischen Entwicklung in der Schweiz. Dazu zählten u.a. die Ausbildung der Eigenständigkeit in den ländlichen Gemeinden und die Einführung der Volksinitiative in den 1860er Jahren. Die Gemeindeversammlung, die zu Ankers Zeit auf dem Land noch nicht in eigens dafür geschaffenen Räumlichkeiten, sondern in Schul- oder Gasthäusern abgehalten wurde, stellte für den Künstler einen Inbegriff für die politische Aufbruchstimmung jener Zeit dar. Im vorliegenden Werk ist die Szenerie in stimmungsvollem Licht eingefangen, und die Figuren sind charaktervoll und minuziös festgehalten.
| Estimation | CHF | 29'000 |
| EUR | 31'868 | |
| USD | 36'250 | |
| Adjugé | CHF | 60'000 |
En règle générale le prix de réserve est fixé entre 1/2 et 2/3 de l'estimation.
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