Bildnis eines bärtigen Mannes in dunklem Anzug.
Öl auf Leinwand,
sig. u. dat. (18)81(?) u.l., verso a.d. Keilrahmen bez.,
70,5x58,5 cm
Verso Zeichnungsstudie einer stehenden Dame.
Das angebotene Gemälde ist beim Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaften als eigenhändiges Gemälde von Karl Stauffer-Bern registriert (Archiv-Nr. 88′468).
Der Schweizer Maler, Grafiker, Bildhauer und Dichter Karl Stauffer-Bern wuchs als Sohn eines Pfarrers und einer Erzieherin im Emmental auf und erhielt schon früh ersten Zeichenunterricht von seiner Mutter. Während der Gymnasialzeit in Bern wurde Paul Volmar auf ihn aufmerksam und förderte sein Talent. Nach einer abgebrochenen Lehre als Dekorationsmaler in München studierte er mit Hilfe eines Berner Stipendiums zusammen mit Lovis Corinth und Wilhelm Leibl an der dortigen Kunstakademie. 1880 siedelte Stauffer-Bern nach Berlin über, wo er sich einen Namen als Porträtzeichner machte. Als Grundlage für seine Arbeiten zog er öfters Fotografien heran zwecks Erhalt einer möglichst genauen Wiedergabe der Physiognomie. 1887 wandte er sich von der Porträtmalerei ab und der Skulptur zu, da er in letzterer seine wahre Berufung erblickte. Während einer kurzen Zwischenphase in Bern fand er in Lydia Welti, der Ehefrau seines alten Schulkameraden Emil Welti, eine Mäzenin, die ihm ein Stipendium für einen längeren Aufenthalt 1888 in Rom ermöglichte. 1889 folgte das Ehepaar Welti dem Künstler nach Italien. In Florenz liessen sie sich zu dritt nieder. Eine Liebesaffäre zwischen Stauffer-Bern und Lydia Welti befruchtete die Vision des Künstlers, ein monumentales Gesamtkunstwerk in Form eines Tempels in Paestum zu errichten. Die aussereheliche Verbindung führte zum Skandal, der mit Stauffer-Berns Inhaftierung in Rom und Lydia Weltis Einweisung in eine Nervenheilanstalt in Florenz endete. 1891 begingen beide Selbstmord.
Beim angebotenen Porträt dürfte es sich wohl um das Bildnis des Berliner Bankiers Selig handeln, dessen beiden Kinder Stauffer-Bern ebenfalls im November 1881 auf die Leinwand bannte.
Wir danken Hans Peter Krähenbühl, Stadel bei Winterthur, für seine hilfreichen Informationen.
| Estimation | CHF | 10'000 |
| EUR | 10'989 | |
| USD | 12'500 | |
| Adjugé | CHF | 8'000 |
En règle générale le prix de réserve est fixé entre 1/2 et 2/3 de l'estimation.
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