"Stare cluny" (Alte Boote).
Tempera auf Holz,
sig. u. dat. (19)37 o.r., verso auf Tschechisch betitelt,
24x41 cm
Provenienz: Vom Künstler an die Familie der jetzigen Besitzerschaft; Privatbesitz, Schweiz.
Ausstellung (gemäss rückseitiger Etikette): Umelecká beseda (Künstlerischer Verein), Clenská výstava (Mitglieder-Ausstellung), Prag, März 1940, Nr. 148.
Jan Zrzavý wuchs im ostböhmischen Deutschbrod auf und studierte kurz an der Brünner Technischen Hochschule. Eine Krankheit zwang ihn zum Abbruch des Studiums, woraufhin er nach Prag zog, um Privatstunden in Malerei zu nehmen und später an der Kunsthochschule zu studieren. Der einwöchige Aufenthalt 1907 in Paris wie auch die Begegnung mit dem Kubisten Bohumil Kubista prägten seine frühe künstlerische Laufbahn. 1912 stellte Zrzavý erstmals seine Werke in einer Ausstellung der Symbolistengruppe Sursum aus und wurde auf Empfehlung Kubistas Mitglied in der Vereinigung der schaffenden Künstler "Mánes". Im Unterschied zu Kubista verfolgte Zrzavý keinen rein formalistischen Ansatz, sondern versuchte den "seelischen Zustand" seiner Figuren zu betonen. Dies sollte sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Oeuvre ziehen. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs ermöglichte Zdenka Braunerova dem jungen Künstler eine erste Soloschau im Prager Topic Salon. Zwischen den Kriegen folgten Reisen nach Italien und jährliche Aufenthalte in Paris. Die künstlerische Verarbeitung der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkrieges führte zu einer Serie von böhmischen Landschaftsgemälden. Nach der kommunistischen Machtübernahme 1948 in der Tschechoslowakei wurde Zrzavý mit einem Ausstellungsverbot belegt, worauf er sich in die innere Emigration zurückzog und ausschliesslich Druckgrafiken anfertigte. Jan Zrzavý nimmt innerhalb der modernen tschechischen Malerei eine prominente Stellung ein, lässt sich jedoch nicht eindeutig einer Schule zuordnen. Sein individualistischer Stil vereint den Kubismus mit mystisch-primitiven Elementen.
In den 1930er Jahren hielt sich Jan Zrzavý fast jährlich in Frankreich auf. Insbesondere besuchte er den bretonischen Fischerort Camaret-sur-Mer, wo ihn das Licht und die Landschaft zu künstlerischem Schaffen anregten. Der ortseigene Hafen dürfte auf dem angebotenen Gemälde in der für Zrzavý charakteristisch reduzierten und klaren Formensprache festgehalten sein.
| Estimation | CHF | 78'000 |
| EUR | 85'714 | |
| USD | 97'500 | |
| Adjugé | CHF | 60'000 |
