"Running White Deer", 1967.
Silbergelatineabzug,
a. Unterlagekarton sig. u.r., 13,1x34,1 cm (BG),
30,4x53,2 cm (Unterlagekarton)
Provenienz: Galerie zur Stockeregg, Zürich.
Ausstellung: Photosammlung Kunsthaus Zürich. The Marc Rich Collection, Kunsthaus Zürich, 10. Juni - 20. August 1989/Galleria Gottardo, Lugano, 9. März - 29. Mai 1993, je Nr. 19 (mit ganzseitiger Abbildung im Ausstellungskatalog S. 145);Im Kunstlicht, Kunsthaus Zürich, 23.6. – 10.11.1997; Kunsthalle Krems, Österreich, 4.3. – 1.5.1997.
Nach einem kurzen Musikstudium entschied sich Paul Caponigro für die Teilnahme an Ansel Adams Fotografieprogramm an der California School of Fine Art. In den 1950er Jahren lernte er unter Minor White. Caponigro ist vor allem für sein Interesse an Naturformen, Landschaften und Stillleben bekannt. Er nähert sich der Natur rezeptiv und bevorzugt einen intuitiven Fokus, um die mystischen und transzendentalen Qualitäten seiner Arbeit zur Geltung zu bringen. Meist entstehen vieldeutige Naturaufnahmen, die über die materielle Wirklichkeit hinausweisen.
"Running White Deer" zählt zu Paul Caponigros bekanntesten Werken. Die Aufnahme entstand 1967 im südlich von Dublin an der irischen Ostküste gelegenen County Wicklow, ein seit dem aufgehenden 10. Jahrhundert zum Wikingerkönigreich gehörendes und damit geschichtsträchtiges Gebiet, das aufgrund seiner weitgehend unberührten Natur auch als "Garten Irlands" bezeichnet wird. In einem gelängten Querformat wirft Caponigro den Blick auf einen im Schatten liegenden Waldsaum, dessen Baumstämme und -kronen sich friesartig über die gesamte Bildbreite hinziehen. Davor erkennt man - in hartem Helldunkel-Kontrast - eine nach links fliehende Herde weisser Hirsche, deren Körperumrisse sich durch die lange Belichtungszeit nahezu aufzulösen scheinen. Dadurch gelingt es dem Fotografen, das Motiv der hektischen Flucht ästhetisch zu verstärken, und die Herde gleichzeitig als geisterhaft-flüchtige Erscheinung in Szene zu setzen. "Running White Deer" zeigt exemplarisch Caponigros künstlerische Überzeugung, dass die Inspiration des Fotografen gegenüber der Technik vorgehe und dass ein perfekter Abzug nur Ausdruck einer inneren Vorstellungskraft sei. Wie Edward Weston war er überzeugt, dass der Fotograf mit seiner Intuition einen Augenblick von Einheit zu erfassen vermag, der über die blosse menschliche Wahrnehmung hinausgeht. In seinen Aufnahmen aus England und Irland, die er mit Hilfe eines Guggenheim-Stipendums bereiste und zu denen auch das vorliegende Werk gehört, versuchte Caponigro zu visualisieren, wie Natur und Kultur durch persönliche Anschauung zu einem allgemeingültigen Sinnbild von Zeit und Zeitlosigkeit werden können. So verweist auf unserer Fotografie das Motiv des weissen Hirsches, der eine prominente Rolle in der Mythologie vieler Kulturen spielt, über sich hinaus auch auf die an Mythen und Legenden reiche Geschichte Irlands.
Die Preislimite liegt in der Regel ca. zwischen 1/2 bis 2/3 der Schätzung. Schriftliche und telefonische Gebote werden über das Login, E-Mail (info@dobiaschofsky.com) und per Brief entgegengenommen.
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